Das Interview mit Katrin Feiner vom Tyrolia Verlag
ist etwas umfangreicher geworden, weil die liebe Frau Feiner mich mit
so vielen interessanten Infos für Autor:innen, die am Beginn ihrer Karriere
stehen, versorgt hat, das ich euch die nicht vorenthalten wollte. Es lohnt sich
daher das Interview bis zum Schluss zu lesen! Eure daphne
bookonatable: Katrin Feiner, Sie sind für die Programmleitung für das Kinder- und Jugendbuch einschließlich dem Lektorat im Tyrolia Verlag verantwortlich, darf ich sie um eine kurze Beschreibung der Programmschwerpunkte ihres Verlags bitten.
Katrin Feiner: Wir haben uns dem ästhetisch, literarisch höherwertigen
Buch verschrieben und bedienen alle Alterssparten, vom Kinderbuch, zb
Pappbilderbücher bis zum Jugendbuch. Wir machen eher Ausnahmegenres zB keine
Fantasy, keine Erstleser, aber auch Mischformen mit Comics. Wir sind sehr offen
für neue und innovative Konzepte und probieren die auch gern aus, wir
veröffentlichen ca. 12-16 Bücher im Jahr.
bookonatable: Können sie uns aktuelle Trends in der Kinder- und
Jugendliteratur nennen?
Katrin Feiner: Das künstlerisch ästhetische Sachbuch, das über
das klassische „WasIstWas“ hinausgeht, ist sicher ein Trend der letzten Jahre, das
illustrierte Sachbuch, auch kombiniert mit Geisteswissenschaften oder es
befinden sich Gedichte im Sachbuch, genreüberschreitende Produkte. Ein zweiter Trend,
bei dem wir in Österreich sehr stark daran beteiligt sind, ist das Pappbilderbuch,
es gibt da jetzt innovativere künstlerische Produkte, die auch textlich eine
Aussage haben. Inhaltliche Trends sind Gender/LGBQ, Klimawandel. Krieg/Konflikt
wird sicher in den nächsten Jahren stark kommen.
bookonatable: Kommt ein Kinderbuch heute noch ohne „Message“
aus, reicht es nur zu unterhalten?
Katrin Feiner: Diese Diskussion führen wir immer wieder, das
Schöne ist, es gibt ein sowohl als auch. So unterschiedlich Kinder sind, so
unterschiedlich die Phasen sind, in dem sie sich befinden, so schön ist es, dass
wir diese Bandbreite haben. Wenn wir uns Erwachsene beobachten, wir wollen auch
nicht immer dasselbe lesen, mal lese ich gern ein Fachbuch, mal einen Roman. Mein
persönlicher Zugang ist, das reine Unterhaltung ohne lauten pädagogischen Impetus
auch viel erreichen kann: ich erlebe eine andere Lebens- und Gedankenwelt, meine
Empathie wird geschult, mein Horizont wird erweitert.
bookonatable: Haben sie für uns eine Buchempfehlung aus dem
aktuellen Programm?
Katrin Feiner: Mit Worten will ich dich umarmen, Gedichte und
Gedanken, geschrieben von Lena Raubaum, illustriert von Katja Seifert,
erschienen bei Tyrolia Verlag. Dieses Buch ist mein persönliches Herzensprojekt,
es ist seit 2016 am Markt, in der Corona-Zeit entstanden. Gedichte, die gut
tun, Gedichte, die alle möglichen Emotionen abdecken. Was uns besonders freut,
dass es Kinderlyrik in dieser Art und Weise als Sammelband vor 10 Jahren noch
nicht gegeben hat, wobei das Buch ein Grenzbrecher ist, es schenken sich auch
viel Erwachsene das Buch gegenseitig. Es ist extrem erfolgreich und bereits in
der 5. Auflage erschienen, für die Lyrik ein ganz großer Erfolg.
[Anm. bookonatable: In Kürze folgt ein eigener
Blogeintrag mit einer Rezension]
Ein zweites sehr berührendes Buch, das ich empfehle
ist Vincent und ich, von Stefan Karch, ein bildhaftes innovatives
Kinderbuch. Es handelt von einem stillen Jungen, der in ein
Freundschaftsdilemma mit dem wilden Jungen Vincent gerät, ein Buch über
Sehnsucht nach Geborgenheit und Aufmerksamkeit, Loyalität und Zivilcourage.
bookonatable: Haben Autor:innen, die noch kein Buch
veröffentlicht haben und bei Tyrolia einreichen, überhaupt eine Chance gelesen
und entdeckt zu werden?
Katrin Feiner: Im Kinderbuchbereich bekomme ich 600-700
Manuskripte im Jahr, 12-15 Bücher machen wir, und wir sind 1 ½ Personen. Wer
bei uns einreicht und nicht genommen wird bekommt eine automatisch generierte
Antwort, in der Hinweise auf andere Verlage, Servicestellen, Wettbewerbe stehen.
Nur weil man abgelehnt wurde, heißt das ja nicht automatisch, das man schlecht
ist, sondern es kann auch heißen das man mit seiner Geschichte nicht ins
Programm gepasst hat, oder wir haben gerade ein Buch mit einem ähnlichen Thema
veröffentlicht oder es sind einfach zu viele und man muss auswählen.
Mittlerweile brauchen wir für eine Antwort mindestens ein Jahr, das Jahr 2024
ist bereits komplett durchgeplant. Wenn man nicht solange warten möchte, gibt
es ja auch heutzutage Self-Publishing wie zB der Novum-Verlag.
bookonatable: Würden Sie das einer Autor:in wirklich empfehlen?
Katrin Feiner: Es kommt
darauf an was man will, wenn man ein guter Selbstvermarkter ist, und nicht über
das technische Know-How verfügt, nicht solange auf die Veröffentlichung warten
will und über die nötigen Geldmittel verfügt, kann so ein Verlag durchaus der
richtige Weg sein. Für mich als Definition sind das Serviceeinrichtungen und
keine Verlage.
bookonatable: Was geht für Sie gar nicht bei einer Manuskripteinreichung?
Katrin Feiner: Wichtig
ist, dass man sich vorher über das Programm informiert und nicht blind
einreicht. Wenn in der E-Mail steht, ich habe mir ihr Programm angeschaut und ich
bekomme einen 800 Seiten Fantasyroman oder eine süße Zwergerlgeschichte, ärgere
ich mich darüber. Was ich auch nicht mag sind Anrufe, die damit beginnen: „Darf
ich ihnen kurz erzählen…“ Die Zeit habe ich einfach nicht. Oder „es sind ja nur
3 Seiten, das haben sie doch schnell gelesen…“ Gelesen ja, aber das Gelesene einzuordnen,
das geht nicht so schnell. Einfach ist es, wo man sofort weiß Ja oder Nein,
aber der größte Teil der Einreichungen liegt im Spektrum „Vielleicht“, „Könnte
passen“, „muss ich mir später nochmal genauer durchlesen“.
bookonatable: Und was ist gern gesehen bei einer Einreichung?
Katrin Feiner: Wir sind an Künstler:innen interessiert, die viel
machen wollen, die nicht nur eine Geschichte auf Lager haben, die auch bereit
sind verschiedene Dinge auszuprobieren. Es braucht eine Bandbreite.
bookonatable: Haben sie noch einen abschließenden Tipp für
Autor:innen, die am Beginn ihrer Karriere stehen?
Katrin Feiner: Ich empfehle bei Nachwuchsförderpreisen
wie dem Dixi Kinderliteraturpreis und bei der SchreibZeit einzureichen,
da orientieren wir uns sehr stark daran und schauen uns die Gewinner:innen ganz
genau an, ob die in unser Programm passen. Wir arbeiten hier eng mit dem
Institut für Kinder- und Jugendliteratur zusammen.
Was hier in Österreich, zumindest in meiner bubble, nicht beliebt ist, sind Agent:innen.
Meiner Wahrnehmung nach sind die in Österreich nicht so etabliert, weil der
Markt klein genug ist. In Deutschland funktionierts fast nur über Agenturen,
weil der Markt so unüberschaubar und volatil ist. Wir werden auch von deutschen
Agenturen öfters kontaktiert, die wirklich professionell sind. Wer nach
Deutschland will muss sich die deutschen Agenturen ansehen.
Was ich besonders empfehle, ist sich die Schreibwerkstätten anzusehen,
wo man sich vernetzen kann, zB im Illustratorenbereich die „IllustrationLadies“
in Wien und Graz, die Schreibseminare bei Karin Haller am Institut für Kinder-
und Jugendliteratur.
Abschließend möchte ich den angehenden Autor:innen noch eines mitgeben: Mit
Kinderbüchern wird man leider nicht reich, der Illusion sollte man sich nicht
hingeben.
bookonatable: Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Link zum Institut für Kinder- und Jugendliteratur
Link zum Dixi Kinderliteraturpreis


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