Interview mit Schriftsteller Michael Hammerschmid


 


Auf dem Jugendliteraturfestival im Odeon habe ich den Autor Michael Hammerschmid kennengelernt. Er hat mit seinem Kinderlyrikband „stopptanzstill Wiener Tier Figuren Gedichte“ (Picus Verlag 2023) den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2024 gewonnen. Wir haben uns dann zu einem sehr netten Interview am Karmelitermarkt im 2. Bezirk getroffen. Michael Hammerschmid ist ein bescheidener Mensch und ein nachdenklicher Dichter, wie er im Buche steht.

bookonatable: Michael Hammerschmid, was ist ihr Lieblingsgedicht?

Michael Hammerschmid: Es gibt ganz viele, aktuell fällt mir eines von Ernst Jandl ein: „jetzt lege ich mich hin / weil ich müde bin / und tue als ob ich schliefe / bis ich eingeschlafen bin“. Es gibt Gedichte, die hängen sich ein, die gehen einem nahe und das ist so eines.

bookonatable: Kann man Dichten lernen bzw. kann man, nachdem man eine deiner Vorlesungen [Michael Hammerschmid lehrt Lyrik u.a. am Institut für Sprachkunst an der Angewandten und an der Universität für Musik und darstellende Kunst] besucht hat, dichten?

Michael Hammerschmid: Nein. Vorlesungen können aber im besten Fall inspirieren, Ideen geben, wir lesen Lyrik, setzen uns mit dichter Sprache auseinander, und das schafft schon eine Basis, sich eigenständig eine Spur in die Literatur zu bahnen. Aber natürlich kann diese Arbeit auch außerhalb der Universität stattfinden. Man kann sie allein oder in einer Gruppe machen. Die Universität ist also eine recht exklusiver Rahmen, aber natürlich keine Voraussetzung dafür, sich zur Schriftsteller*in zu entwickeln.

                                            © Daphne Frankl-Templ

Bookonatable: Woher nimmst du die Inspiration für deine Gedichte?

Michael Hammerschmid: Schwierig zu sagen, ich suche, wenn überhaupt, die Inspiration eher unbewusst. Wenn ich genau wüsste, wie ich Inspiration bekomme, dann wäre es zu leicht. Natürlich kommt viel durch das Lesen, aber auch viel durch den Alltag, bei mir der Alltag mit Kindern. Dort lagern sich manche Erfahrungen ab, die literarisch fruchtbar werden können.

Bookonatable: Bist du durch deine Kinder in die Kinderlyrik „gerutscht“ oder hättest du ohne Kinder Gedichte für ein erwachsenes Publikum geschrieben?

Michael Hammerschmid: Das ist eine Frage, die ich mir selbst schon oft gestellt habe. Ohne Kinder hätte ich natürlich einen anderen Alltag gehabt, der sich wahrscheinlich literarisch niedergeschlagen hätte, aber ich glaube schon, dass die Kinderlyrik in mir angelegt war, bevor ich Kinder hatte. Ich halte die Kinderlyrik für ein Gebiet besonders großer Freiheit, sogar Anarchie. Die Erwachsenenliteratur scheint mir mit mehr Zwängen verbunden zu sein.

Bookonatable: Hast du es auch schon mal mit Belletristik (Prosa) probiert?

Michael Hammerschmid: Ich schreibe schon ab und zu Kurzprosa, aber über die Jahre hat sich gezeigt, dass mir die Lyrik am meisten entspricht. Was für die Kinderlyrik spricht, ist, dass sie den anderen Textformen gegenüber so offen ist, man kann Lyrik auch prosaisch oder dramatisch schreiben, man kann in dieser Gattung sehr weit in die anderen Gattungen „ausstreunern“.

bookonatable: Seit wann schreibst du regelmäßig und wie lange hat es gedauert, bist du von einem Verlag entdeckt wurdest?

Michael Hammerschmid: Ich wusste, seit ich ein kleines Kind war, dass ich schreiben möchte. Es gab immer wieder wichtige Schreibmomente, die wie Neuanfänge für mich waren, aber der wahrscheinlich ausschlaggebende Moment war der, nach Beendigung meines Studiums [Germanistik, Theaterwissenschaften], bei der Entscheidung, ob ich mehr in eine wissenschaftliche Richtung gehe oder mich hauptberuflich dem Schreiben widmen möchte. Es hat dann noch einige Zeit gebraucht, bis ich in Buchform veröffentlicht wurde. Besonders wichtig war der deutsche Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik, den ich 2018 bekommen habe und der vor allem in Deutschland zu einer schönen Aufmerksamkeit für meine Arbeit geführt hat.

bookonatable: Welcher Ratschlag hat dir in deiner Schreibkarriere am meisten geholfen?

Michael Hammerschmid: Hierbei handelt es sich zwar nicht um einen Ratschlag, aber wenn das engere Umfeld einen Autor in seiner Tätigkeit ernst nimmt und unterstützt, ist dieser Rückhalt mehr wert als gute Ratschläge.

bookonatable: Kannst du uns ein aktuelles Kinderbuch empfehlen?

Michael Hammerschmid: Ich bereite gerade eine Sendung für Ö1 vor über Erich Kästner und mich fasziniert an seinen Geschichten die Euphorie und die Begeisterung der Kinder für einander. Das äußert sich nicht zuletzt in der tiefen Solidarität der Kinder untereinander und in den entstehenden Freundschaften. Kästner schildert starke Emotionen, die er sehr lebendig und mit ansteckender Fröhlichkeit ausformuliert. Trotzdem er viele seiner bekanntesten Bücher in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben hat, wird Erich Kästner immer wieder aufs Neue gelesen und gespielt. In seinen Texten findet sich etwas, das die Menschen nach wie vor interessant finden und das sie in ihrer Zeit aktivieren.

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