Interview mit Henriette Strohal vom Verlag Jungbrunnen




bookonatable: Henriette Strohal, sie sind Lektorin beim Verlag Jungbrunnen, darf ich sie um eine kurze Beschreibung der Programmschwerpunkte ihres Verlags bitten.

Henriette Strohal: Jungbrunnen feiert seinen 100. Geburtstag, unser Anspruch ist sehr gute Bücher für alle Kinder zugänglich zu machen. Unsere Qualitätsstandards sind höher als bei anderen Verlagen, sowohl inhaltlich als auch von der Bildsprache her sind unsere Bücher sehr anspruchsvoll. Wir wollen den Kindern etwas zum Denken, etwas zum Träumen geben, und wir halten sie nicht für dumm.

bookonatable: Können sie uns aktuelle Trends in der Kinder- und Jugendliteratur nennen?

Henriette Strohal: Wir richten uns grundsätzlich nicht nach Trends, es sei denn wir haben einen Text, der dieses Thema sehr gut behandelt, dann "stört" es uns nicht, dass es ein Trendthema ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der schöne, vielschichtige Roman Nicht so das Bilderbuchmädchen von Agnes Ofner, der Transgender zum Thema hat. Damit waren wir einer der ersten Verlage, die das Thema aufgegriffen haben.

bookonatable: Haben sie für uns eine Buchempfehlung aus dem aktuellen Programm?

Henriette Strohal: Pakt der Krähen von Brigitte Jünger für Kinder ab 12. Es geht um zwei Jugendliche aus teils schwierigen Verhältnissen, die eine Zweckgemeinschaft – die Crows – gründen, um sich gegenseitig zu unterstützen und dabei in die Kleinkriminalität abrutschen. Das Buch ist packend, in einer klaren Sprache geschrieben - und man will es einfach nicht mehr weglegen.
[Anm. bookonatable: In Kürze folgt ein eigener Blogeintrag mit einer Rezension für das Buch Pakt der Krähen]

bookonatable: Haben Autor:innen, die noch kein Buch veröffentlicht haben und bei Jungbrunnen einreichen, überhaupt eine Chance gelesen und entdeckt zu werden?

Henriette Strohal: Bei uns auf jeden Fall. Wir bekommen zwar jeden Tag ca. 5 Manuskripte, dementsprechend dauert die Antwort oft bis zu einem halben Jahr, aber wir antworten jedem mit einer Zusage oder einer Absage.

bookonatable: Was geht für Sie gar nicht bei einer Manuskripteinreichung?

Henriette Strohal: So etwas gibt es eigentlich nicht. Es gibt viele Einreichungen bei denen ich schnell merke, dass es für uns nicht passt, d.h aber nicht dass es nicht für andere Verlage passt. Es gibt zB einige Einreichungen, in denen Kinder illustrieren, das ist bei uns nicht machbar. 

bookonatable: Und was ist gern gesehen bei einer Einreichung?

Henriette Strohal: Von den hundert Manuskripten, die man so bekommt ist eines gut. Was mich fängt ist, wenn es jemand kann [Anm. schreiben], es ist sehr schwer, gut zu schreiben bzw. zu illustrieren. Es fällt einfach auf, wenn es jemand gut kann.

bookonatable: Haben sie noch einen abschließenden Tipp für Autor:innen, die am Beginn ihrer Karriere stehen?

Henriette Strohal: Am besten sein Manuskript großzügig verschicken, an alle Verlage, die in Frage kommen, weil man nie weiß, wem man auffällt. Ich empfehle sich genau das Programm der Verlage anzuschauen. Und nicht verzweifeln, viele brauchen Jahre, bis es funktioniert. Sich professionelles Feedback holen bei den Stellen, die das anbieten. Das Schöne am Schreiben ist, dass man keine Ausbildung dafür braucht, man kann eine machen, aber wenn man ein gutes Sprachgefühl hat, braucht man nicht unbedingt eine, daher hat man viele Möglichkeiten. Insofern soll man sich nicht entmutigen lassen!

bookonatable: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Link zum Verlag Jungbrunnen

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